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17 Jahre Doppik: Investiert, konsolidiert und Schritt für Schritt entschuldet

In der öffentlichen Diskussion werden Gemeindefinanzen häufig auf einzelne Haushaltsjahre, einzelne Steuerarten oder einzelne Kennzahlen reduziert. Wer jedoch verstehen möchte, wie sich die Ortsgemeinde Weitersburg tatsächlich entwickelt hat, muss den gesamten Zeitraum seit Einführung der Doppik im Jahr 2009 betrachten.

Dann entsteht ein anderes Bild: Die Gemeinde hat große Infrastrukturprojekte umgesetzt, wichtige Zukunftsinvestitionen getätigt, hohe Umlagen getragen, gesetzliche Anforderungen erfüllt und gleichzeitig ihre finanzielle Lage wieder deutlich verbessert.

Die Ausgangslage 2009

Mit Einführung der Doppik verfügte die Ortsgemeinde über ein Eigenkapital von rund 12,16 Mio. Euro. Gleichzeitig waren allerdings zahlreiche Investitionen absehbar.

Schon damals zeigte sich ein Problem, das bis heute viele Kommunen betrifft: Die Anforderungen an die Gemeinden steigen stetig, die finanziellen Spielräume jedoch nicht im gleichen Maße.

Investitionen statt Stillstand

Straßen, Brücke und Infrastruktur

Ab etwa 2010 wurden umfangreiche Straßensanierungen umgesetzt. Hinzu kam sogar 2015 der Neubau einer Brücke.
Dabei handelte es sich nicht um freiwillige Luxusprojekte, sondern um notwendige Investitionen in die Infrastruktur des Ortes. Werden solche Maßnahmen über Jahre verschoben, steigen die Folgekosten häufig erheblich.

Der neue Kindergarten

Ebenfalls in dieser Zeit wurde der neue Kindergarten gebaut. Dabei wird häufig übersehen, dass der Kindergarten nicht allein wegen des Neubaugebietes errichtet wurde. Im Gegenteil half das Neubaugebiet dabei den Kindergarten zu bauen. Bereits viele Jahre zuvor bestand in Weitersburg ein chronischer Mangel an Kita-Plätzen.

Der Kindergarten war eine notwendige Zukunftsinvestition für Familien im gesamten Ort.

Der Sportplatz

Mit dem Neubau des Kunstrasen-Sportplatzes wurde 2011 eine moderne Sportanlage geschaffen.

Die ursprünglich erwarteten Kosten für die Gemeinde konnten dank hoher Fördermittel und erheblicher Eigenleistungen des SV Weitersburg deutlich unterschritten werden. Statt eines erwarteten Eigenanteils von rund 370.000 Euro musste die Ortsgemeinde letztlich nur rund 230.000 Euro aufbringen. Rückblickend war dies eine sehr gute und vorausschauende Entscheidung, da vergleichbare Förderungen schon 2013 nicht mehr erreichbar waren.

Neues Wohngebiet

2014 und 2015 wurde zudem ein neues Wohngebiet mit rund 55 Bauplätzen erschlossen. Damit wurde dringend benötigter Wohnraum geschaffen und die Entwicklung des Ortes gestärkt.

Digitalisierung als Zukunftsinvestition

Ein leider viel zu oft übersehener Meilenstein war der Breitbandausbau.

Bereits 2014 beteiligte sich die Ortsgemeinde durch die finanzielle Schließung einer Wirtschaftlichkeitslücke von 85.000 Euro, damit ein Telekommunikationsunternehmen den Glasfaserausbau bis zu den Hauptverteilern im Ort realisieren konnte. Dadurch verbesserten sich die Internetgeschwindigkeiten schon damals deutlich von 2-3 Mbit/s auf bis zu 100 Mbit/s.

Rückblickend erwies sich die Entscheidung als ebenfalls vorausschauende Investition. Homeoffice, Streaming, digitale Bildung und moderne Arbeitsmodelle haben die Bedeutung leistungsfähiger Internetanschlüsse in den Folgejahren deutlich erhöht.
Seit 2023 erfolgt zudem der Ausbau einer durchgängigen FTTH-Infrastruktur (Fiber to the Home). Damit verfügen viele Gebäude in Weitersburg inzwischen über echte Glasfaseranschlüsse bis ins Haus.

Auch diese digitale Infrastruktur gehört zu den langfristigen Vermögenswerten, die in der finanziellen Gesamtbetrachtung berücksichtigt werden müssen.


Die Investitionen gingen weiter

Nach dem Kindergartenneubau endeten die Investitionen keineswegs. Es folgten unter anderem:

  • Kellersanierung der Grundschule
  • weitere Gebäudesanierungen (bspw. Gemeindehaus)
  • Sanierung der Trauerhalle
  • Modernisierung des alten Friedhofs mit Errichtung einer Urnengemeinschaftsanlage
  • zahlreiche Unterhaltungsmaßnahmen an Straßen und Gebäuden

Diese Projekte dienten überwiegend dem Werterhalt gemeindlicher Infrastruktur.


Warum die Schulden zeitweise anstiegen

Die Gesamtverschuldung stieg bis 2015 auf rund 4,19 Mio. Euro an. Wer nur diese Zahl betrachtet, sieht jedoch lediglich die Kostenseite.

Auf der anderen Seite stehen die geschaffenen Werte:

  • Kindergarten (2015)
  • Wohngebiet (2014 - 2015)
  • Sportplatz (2011)
  • Straßensanierungen 
  • Brückenneubau (2015)
  • Glasfaserausbau (2014/2023)
  • Grundschulsanierungen (Keller 2019)
  • Friedhofsinfrastruktur (2020)

Die Schulden entstanden somit überwiegend durch Investitionen und nicht durch laufenden Konsum.


Die Phase der Konsolidierung

Nach Abschluss vieler Großprojekte begann die Gemeinde mit dem systematischen Schuldenabbau. Bis Ende 2025 sank die Gesamtverschuldung von rund 4,19 Mio. Euro auf etwa 2,40 Mio. Euro. Damit wurden rund 1,8 Mio. Euro Schulden reduziert.
Gleichzeitig entwickelt sich nun das Eigenkapital wieder positiv.


Die Rolle der Umlagen

Ein wesentlicher Kostenfaktor sind die Umlagen an Kreis und Verbandsgemeinde. Während die Umlagen im Jahr 2009 noch rund 1 Mio. Euro betrugen, lagen sie 2025 bereits bei rund 2,75 Mio. Euro.

Damit hat sich diese Belastung nahezu verdreifacht.

Die Verbandsgemeindeumlage

Die Verbandsgemeinde übernimmt wichtige Aufgaben für die Ortsgemeinden.

Dazu gehören unter anderem Feuerwehr, Verwaltung, Personalwesen und verschiedene Schulaufgaben. Die Finanzierung erfolgt eben über die Verbandsgemeindeumlage.
Wobei allerdings die Ortsgemeinde der Verbandsgemeinde die Aufgabe der Grundschule komplett abnimmt und die Grundschule in eigener Trägerschaft führt und auch zahlt. Das ist in vielen Verbandsgemeinde deutlich anders, da die Schulträgerschaft von Grundschulen gesetzlich eigentlich bei der Verbandsgemeinde angegliedert ist und von den Gemeinde über die Umlage mitfinanziert wird.

Das Problem besteht jedoch nicht darin, dass die Aufgaben der Verbandsgemeinde unnötig wären. Aber auch hier lässt sich über Einsparungen streiten. Die Herausforderung für die Kommunen besteht dabei darin, dass die Kosten auf allen Ebenen steigen, während die Handlungsspielräume der Ortsgemeinden dadurch aber immer kleiner werden.


Das finanzielle Korsett der Kommunen

Der Rechnungsprüfungsausschuss hat in seinem Bericht zum Jahresabschluss 2025 auf die engen gesetzlichen Rahmenbedingungen hingewiesen. Kommunen müssen heute immer mehr Aufgaben erfüllen:

  • Kita-Ausbau
  • Betreuung und Inklusion
  • Schulanforderungen
  • Klimaschutz
  • Energieeffizienz
  • Brandschutz
  • und vieles mehr ...

Viele dieser Anforderungen sind sinnvoll. Die Finanzierung wächst jedoch häufig nicht im gleichen Maße mit.


Die Bedeutung der Gewerbesteuer

Die Gewerbesteuer ist die wichtigste eigene Einnahmequelle der Ortsgemeinde. Die Einnahmen stiegen von rund 155.000 Euro im Jahr 2009 auf über 1,23 Mio. Euro im Jahr 2025.

Natürlich steigen bei höheren Gewerbesteuereinnahmen auch die Umlagen. Die langfristige Entwicklung zeigt jedoch, dass die Gemeinde insgesamt von stärkeren eigenen Einnahmen profitiert hat.

Ohne diese Entwicklung wären der Schuldenabbau, die Verbesserung der Liquidität und die Stärkung des Eigenkapitals deutlich schwieriger gewesen.


Der Jahresabschluss 2025

Der geprüfte Jahresabschluss 2025 fiel deutlich besser aus als ursprünglich geplant. Aus einem geplanten Überschuss von rund 5.000 Euro wurde ein tatsächlicher Überschuss von mehr als 651.000 Euro.

Die Investitionskredite konnten weiter reduziert werden und das Eigenkapital stieg wieder auf über 10,8 Mio. Euro.


Die Entwicklung 2026

Der Finanzstatusbericht 2026 zeigt bereits zur Jahresmitte eine deutliche Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Planung. Die Verwaltung erwartet eine Verbesserung des Ergebnishaushalts um rund 656.000 Euro.

Als Hauptursache werden die höheren Gewerbesteuereinnahmen genannt.

Die Liquidität

Besonders wichtig ist die Entwicklung der Liquidität.

Statt neuer Liquiditätskredite wird aktuell ein positiver Kassenbestand zum Jahresende erwartet. Die Gemeinde gewinnt dadurch finanzielle Handlungsfähigkeit zurück.


Die Herausforderungen der kommenden Jahre

Trotz der positiven Entwicklung sind die Aufgaben nicht kleiner geworden. Zu den größten Projekten gehören voraussichtlich:

  • Sanierung der Schulturnhalle
  • weitere Straßensanierungen
  • Investitionen in Schule und Kindertagesstätte
  • Sanierung kommunaler Gebäude
  • steigende Anforderungen durch Bund und Land

Gleichzeitig steigen aber ...

  • Baukosten
  • Energiepreise
  • Personalkosten
  • Umlagen
  • gesetzliche Standards

Die finanzielle Situation bleibt daher eine Daueraufgabe.


Von daher …

Die letzten 17 Jahre lassen sich mit drei Begriffen beschreiben:

1. Investieren

Weitersburg hat in Straßen, Brücken, Wohnraum, Sportplatz, Kindergarten, Schule, Friedhof und digitale Infrastruktur investiert.

2. Konsolidieren

Nach den großen Investitionen begann die Gemeinde, ihre Finanzen wieder zu stabilisieren.

3. Entschulden

Die Gesamtverschuldung wurde seit dem Höchststand um rund 1,8 Mio. Euro reduziert.

Die Entwicklung der letzten 17 Jahre lässt sich nicht allein anhand von Einnahmen und Ausgaben erklären. Mindestens ebenso wichtig sind die Werte, die mit diesen Mitteln geschaffen wurden.

Dazu gehören unter anderem:

  • Neubau des Kindergartens zur Entlastung der chronisch angespannten Betreuungssituation
  • Erschließung eines Wohngebiets mit rund 55 Bauplätzen
  • Neubau des Kunstrasen-Sportplatzes
  • Brückenneubau
  • viele Straßensanierungen
  • Breitbandausbau mit Unterstützung der Ortsgemeinde ab 2014
  • FTTH-Glasfaserausbau bis in die Gebäude seit 2023
  • Kellersanierung der Grundschule
  • Sanierung der Trauerhalle
  • Modernisierung des alten Friedhofs
  • Bau einer Urnengemeinschaftsanlage
  • zahlreiche weitere Werterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen

Diese Investitionen prägen Weitersburg bis heute und zeigen, dass die zeitweise höhere Verschuldung überwiegend mit dem Aufbau und Erhalt wichtiger Infrastruktur verbunden war.

Straßen, Kindergärten, Schulen, Friedhöfe, Sportanlagen oder digitale Infrastruktur finanzieren sich nicht von selbst

Gleichzeitig macht die Entwicklung deutlich, wie wichtig starke eigene Einnahmequellen für die Zukunft der Gemeinde sind. Denn Straßen, Kindergärten, Schulen, Friedhöfe, Sportanlagen oder digitale Infrastruktur finanzieren sich nicht von selbst. Während Umlagen, Pflichtaufgaben und gesetzliche Anforderungen kontinuierlich steigen, sind die eigenen Einnahmen der Gemeinde einer der wenigen Bereiche, die überhaupt Handlungsspielräume ermöglichen. Insbesondere die positive Entwicklung der Gewerbesteuer hat in den vergangenen Jahren wesentlich dazu beigetragen, Investitionen zu ermöglichen, Schulden abzubauen, das Eigenkapital wieder zu stärken und die Liquidität der Gemeinde deutlich zu verbessern.

Wer die finanzielle Zukunft Weitersburgs sichern möchte, muss deshalb nicht nur auf die Ausgaben schauen, sondern insbesondere darauf, wie die Gemeinde langfristig ausreichende eigene Einnahmen erzielen kann.