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Schnelles Internet ist heute selbstverständlich – doch der Weg dorthin war für Weitersburg lang und voller Herausforderungen. Mit diesem Artikel möchten wir die Historie des Glasfaserausbaus und der Digitalisierung in unserem Ort ein wenig nachlesbar dokumentieren.

Warum ist uns das wichtig? Weil diese Entwicklung nicht nur die Grundlage für Homeoffice, digitale Bildung und moderne Kommunikation geschaffen hat, sondern auch entscheidend für die Lebensqualität, den Wohnwert und die Attraktivität als Wirtschaftsstandort ist.

Wir zeigen, wie sich Weitersburg vom „weißen Fleck“ in der Breitbandversorgung zu einer Gemeinde mit Glasfaserinfrastruktur entwickelt hat – und warum dieser Fortschritt für die Zukunft unverzichtbar bleibt.

 

Teil 1 - Schnelles FTTC(*) Internet

(*) FTTC (Fiber to the Curb) ist eine Breitband-Internet-Technologie, bei der Glasfaser bis zum Verteilerkasten am Straßenrand (Curb) verlegt wird und die letzten Meter zum Kunden über das bestehende Kupferkabel-Netz laufen, was höhere Geschwindigkeiten als DSL ermöglicht. FTTC ist ein wichtiger Schritt hin zu vollständigem Glasfaser (FTTH), da die Glasfaser-Trasse bereits liegt und nur die „letzten Meter“ über Kupfer die Bandbreite begrenzen.

2009 – Erste Diskussionen im Gemeinderat

Am 26. November 2009 stand das Thema „DSL-Versorgung“ erstmals auf der Tagesordnung des Ortsgemeinderates. Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Mittelrhein mbH informierte über Förderprogramme, konkrete Lösungen für Weitersburg waren jedoch noch nicht möglich. Eine Bestandsaufnahme wurde beschlossen, da über 20 % der Haushalte unterversorgt waren. Für viele heute kaum vorstellbar, Internet mit nur 2–3 Mbit/s Geschwindigkeit. Das waren die durchschnittlich verfügbaren Bandbreiten in Weitersburg. Kein VoIP Telefon, kein Amazon oder Netflix TV, keine Musik-Streaming und vieles mehr ...


2010/2011 – FWG übernimmt die Initiative

Bereits 2010 setzte sich die Gemeinde dann für Digitalisierung und den Ausbau einer schnellen Breitbandinfrastruktur ein. Die FWG-Fraktion erkannte früh die Dringlichkeit und brachte das Thema immer wieder in den Rat ein. Sie stellte mehrere Anfragen, führte eine eigene Bürgerbefragung zur Bedarfsermittlung durch und veröffentlichte die Ergebnisse. Anfang 2011 folgte ein Antrag mit einem erstellten Grundkonzept für den Breitbandausbau. Die FWG warnte vor auslaufenden Förderprogrammen und drängte auf schnelle Entscheidungen. Zwischenlösungen wie Funk oder UMTS erwiesen sich als unzureichend.


2011 – Interessenbekundung und Ausschreibung

U.a. mit FWG-Initiative wurde ein Interessenbekundungsverfahren gestartet. Die FWG stimmte für die Ausschreibung einer flächendeckenden Breitbandversorgung und veröffentlichte verschiedene Artikel, um die Dringlichkeit zu unterstreichen.


2012 – Entscheidung für Glasfaser

Im Mai 2012 beschloss der Gemeinderat einstimmig die Beauftragung der Firma INEXIO. Geplant war ein FTTC Glasfaseranschluss mit Bandbreiten bis zu 100 Mbit/s. Die FWG hatte sich von Beginn an für eine zukunftssichere Lösung eingesetzt. Im September folgte eine große Informationsveranstaltung für Bürger. Die Fraktionen im Gemeinderat unterstützten aktiv die Vertragsabschlüsse, um die Wirtschaftlichkeitslücke zu senken.
Am 12. Dezember 2012 wurde der Vertrag zwischen der Gemeinde und INEXIO unterzeichnet. Die Gemeinde investierte 90.000 €, bei 150 Endkundenverträgen sollte die Summe auf 60.000 € sinken. Zur Senkung kam es aber nicht.


2013/2014 – Umsetzung und Erfolg

Im November 2013 begannen die Bauarbeiten. Im Sommer 2014 konnte der erfolgreiche Abschluss des FTTC-Glasfaser-Breitbandnetzausbaus (Fibre to the Curb – Glasfaserkabel bis zum Verteilerkasten, von dort über Kupferkabel zum Endkunden) durch die Firma INEXIO verkündet werden.

Sommer 2014 - feierlicher Einweihung der Anschlußschaltung der Inexio im Gemeindesaal mit Vertretern des Gemeinderats, Verwaltung mit Verbandsbürgermeister, Orstbürgermeister und Beigeordnete, Ortsbürgermeister a.D. sowie der Inexio

Die Ortsgemeinde trug den Kostenanteil der Wirtschaftlichkeitslücke. Seitdem war es möglich, Internetgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit/s zu nutzen – ein gewaltiger Fortschritt gegenüber den zuvor üblichen 2–3 Mbit/s.




 

Teil 2 - FTTH(*) Glasfaserausbau

(*) FTTH („Fiber to the Home“) steht für Glasfaserleitungen, die direkt bis in das eigene Haus oder die Wohnung verlegt werden. Im Gegensatz zu Kupferkabeln (DSL) ermöglicht diese Technologie extrem hohe, stabile Übertragungsraten von bis zu 1.000 MBit/s (1 Gbit/s) und mehr, ohne Bandbreitenverluste.

2014 bis 2020 – Digitalisierung im Alltag

Wie wertvoll das schnellere Internet war, zeigte sich spätestens während der Corona-Pandemie:
- Homeoffice mit Videokonferenzen waren möglich
- Homeschooling und Distanzunterricht konnten durchgeführt werden

Doch die Gemeinde blieb nicht stehen:
- 2019: Ausstattung der Grundschule mit Tablets
- 2020: Erster echter FTTH-Anschluss (Fiber to the Home) im Ort - die Grundschule!
- 2020/21: Einrichtung eines internen Schul-WLAN
- 2021/22: Digitale Schultafeln in allen Klassenzimmern
- 2021: Öffentliches WLAN an Sportanlage, Schulturnhalle, Grundschule, Gemeindehaus und Dorfplatz

Zusätzlich wurde 2019 der Weg für den geförderten FTTH-Ausbau im Weitersburger Gewerbegebiet durch den Landkreis Mayen-Koblenz geebnet.


2021 bis 2023 – Der große Meilenstein: FTTH für alle

Im Dezember 2021 fand eine öffentliche Informationsveranstaltung der Deutschen Glasfaser (2020 mit Inexio fusioniert) in der Schulturnhalle statt. Ziel: flächendeckender Ausbau von FTTH-Anschlüssen für alle Haushalte.
Parallel plante auch die UGG – Unsere Grüne Glasfaser GmbH & Co. KG einen Ausbau, zog sich jedoch Anfang 2022 zurück. Die Deutsche Glasfaser startete im Januar 2022 mit den Bauarbeiten.

Aktivierungsstart der Glasfaseranschlüsse. Am POP-Verteiler informierten sich Ortsbürgermeister und Beigeordnete mit Vertretern von Verbandsgemeindeverwaltung und Deutsche Glasfaser über den Aufbau
  • Oktober 2022: POP (Point of Presence) als Technikzentrale fertiggestellt
  • Verzögerungen durch bürokratische Hürden beim Backbone-Anschluss (alles war fertig, doch Behörden erlaubten dem Unternehmen zunächst nicht den Anschluß an das Hauptnetz)
  • Februar 2023: POP aktiviert, erste FTTH-Anschlüsse freigeschaltet
  • 28.02.2023: Offizieller Start mit Vertretern der Gemeinde und Deutsche Glasfaser

Seitdem wurden regelmäßig neue Anschlüsse aktiviert – über 500 Kunden waren bereits beim Aktivierungsstart dabei.


2024 Glasfaserausbau “Weitersburg Süd” hat begonnen

Das zweite FTTH Projekt, zum Ausbau südlich der Autobahn, hatte im Mai 2024 begonnen. Mit geplanten Tiefbauarbeiten von ca. 4 Wochen. Nach Tiefbauende wurden auch dort die Kabel eingeblasen mit anschließender Montage. Mit einer Kundenaktivierung wurde in einigen Monaten gerechnet.


2025 Neben Deutsche Glasfaser nun auch 1und1 möglich

Seit Oktober 2025 kooperieren Deutsche Glasfaser und 1und1. In Weitersburg sind seitdem über die Glasfaseranschlüsse somit die Tarife der Deutschen Glasfaser und auch nun der 1und1 verfügbar und der Kunde kann wählen.

Projekt 3, der über den Landkreis geförderte “schnelle” Glasfaserausbau im Gewerbegebiet (2019 wurde die Vereinbarung mit der Ortsgemeinde geschlossen), ist noch nicht komplett abgeschlossen. Die FWG Fraktion hatte mehrfach im Rat nachgefragt, aber keine Antwort von der Verwaltung erhalten wann die dortigen Kunden aktiviert wurden/werden. Wir werden erneut nachhaken.


Was bedeutet das für Weitersburg?

  • Flächendenkend Glasfaser: Als erste Kommune in der Verbandsgemeinde Vallendar bietet Weitersburg flächendeckend FTTH Glasfaseranschlüsse. Gegenüber 2009 mit durchschnittlich 2-3 MBit/s Geschwindigkeit sind es nun durchschnittlich locker 300-400 MBit/s und mehr, wenn gewünscht.
  • Privatkunden: Internetgeschwindigkeiten bis zu 1.000 Mbit/s Download und 500 Mbit/s Upload
  • Geschäftskunden: Bandbreiten bis zu 10.000 Mbit/s

Weitersburg war lange ein „weißer Fleck“ in der Breitbandversorgung. Mit dem FTTC-Ausbau 2014 begann die digitale Reise, und mit dem FTTH-Ausbau 2023 ist der Ort nun mittendrin in der digitalen Zukunft.
Das ist ein großer Meilenstein für Weitersburg – eine leistungsfähige, ausbaufähige und zukunftsweisende Telekommunikationsinfrastruktur für alle. Das ist echte Entwicklung, Standortfaktor sowie Wohn- und Lebenswert!


Die Rolle der FWG

  • Frühzeitige Problembenennung (2009)
  • Mehrere Anfragen und eigene Bürgerbefragung (2010)
  • Antrag mit selbst vorgestelltem Grundkonzept für den Breitbandausbau (2011)
  • Unterstützung des Interessenbekundungsverfahrens der Verwaltung und der Ausschreibung
  • Hartnäckige Forderung nach nachhaltiger Glasfaserlösung
  • Mitwirkung an der finalen Entscheidung und Informationsarbeit für Bürger

Fazit: Ohne die kontinuierlichen Bemühungen und den Druck der FWG wäre der Glasfaserausbau in Weitersburg nicht so konsequent umgesetzt worden. Die FWG hat entscheidend dazu beigetragen, dass Weitersburg heute über eine moderne, zukunftssichere Breitbandinfrastruktur verfügt. Wir möchten es nicht versäumen auch der Verbandsgemeindeverwaltung unter ihrer damaligen Leitung Verbandsbürgermeister Fred Pretz zu danken, welche unsere Bemühungen konstruktiv aufgenommen und genutzt haben.